Wer einen professionellen B2B-Shop aufbauen oder modernisieren möchte, steht früher oder später vor der Frage: Magento oder Shopware 6? Beide Plattformen sind quelloffen, skalierbar und im deutschen Markt etabliert – doch sie richten sich an unterschiedliche Anforderungen und Unternehmensgrößen. Als Magento-Agentur vergleichen wir beide Systeme in diesem Beitrag ehrlich und helfen Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen.
1. Technische Architektur: Tiefe vs. Agilität
Magento 2 (Adobe Commerce) basiert auf dem Laminas/Zend-Framework und setzt auf eine serviceorientierte, tiefgreifend konfigurierbare Architektur. Das macht das System äußerst mächtig – aber auch anspruchsvoll in der Entwicklung. Wer die volle Kontrolle über komplexe Geschäftsprozesse, individuelle Workflows und technische Sonderanforderungen benötigt, findet in Magento das geeignete Fundament.
Shopware 6 setzt auf Symfony und Vue.js und verfolgt einen API-First-Ansatz. Die Architektur ist moderner und für Entwickler mit Symfony-Kenntnissen schnell zugänglich. Shopware ist dadurch flexibler in der schnellen Umsetzung von Standard-B2B-Projekten, stößt aber bei sehr individuellen Enterprise-Anforderungen früher an seine Grenzen als Magento.
Unser Fazit zur Architektur: Für hochgradig individuelle B2B-Prozesse, komplexe Multi-Store-Setups und tiefe ERP-Integrationen ist Magento die technisch überlegene Plattform.
2. B2B-Funktionen im Vergleich
Im B2B-E-Commerce zählen Funktionen wie Firmenkonten, individuelle Preislisten, Genehmigungsworkflows und Schnellbestellungen zu den Kernanforderungen. Hier zeigt Magento Adobe Commerce seine volle Stärke:
- Firmenkonten und Hierarchien: Magento bietet nativ ein vollständiges Firmenkonten-Management mit Rollen, Berechtigungen und mehrstufigen Unternehmensstrukturen. Shopware liefert ähnliche Funktionen, jedoch erst ab dem kostenpflichtigen Evolve-Plan.
- Individuelle Preislisten und Shared Catalogs: Magento ermöglicht granulare, kundenspezifische Preisregeln auf Produkt-, Kategorie- und Kundengruppenebene – out of the box. Shopware bietet flexible Preisregeln über den Rule Builder, jedoch mit weniger Tiefe.
- Angebotsmanagement (Quotes): In Adobe Commerce nativ vorhanden. In Shopware ab dem Evolve-Plan verfügbar.
- Genehmigungsworkflows: Mehrstufige Freigabeprozesse für Bestellungen sind ein nativer Bestandteil von Adobe Commerce – ein entscheidender Vorteil für komplexe Einkaufsabteilungen.
- Kreditlimits und Zahlungsziele: Magento unterstützt diese Funktionen nativ. Shopware benötigt dafür in der Regel Erweiterungen.
- Multi-Store und Internationalisierung: Magento erlaubt den Betrieb von 50+ Storeviews aus einer Installation heraus – ideal für international agierende B2B-Unternehmen.
Shopware hat im B2B-Bereich in den letzten Jahren stark aufgeholt. Für standardisierte mittelständische B2B-Anforderungen reicht das Angebot der B2B Components aus. Wer jedoch tiefe, individuelle Prozesse benötigt, ist mit Magento besser aufgestellt.
3. Kosten und Total Cost of Ownership
Ein fairer Kostenvergleich muss Lizenz, Hosting, Entwicklung und laufende Wartung berücksichtigen – die sogenannte Total Cost of Ownership (TCO) über drei bis fünf Jahre.
Magento / Adobe Commerce: Magento Open Source ist kostenlos. Adobe Commerce wird GMV-basiert lizenziert und startet in der Regel ab 22.000 bis 40.000 US-Dollar pro Jahr. Dazu kommen Hosting-Kosten für leistungsstarke Infrastruktur sowie Entwicklungskosten durch spezialisierte Magento-Entwickler. Die initiale Investition ist höher – liefert aber auch deutlich mehr Leistung und Kontrolle bei komplexen Anforderungen.
Shopware 6: Die Community Edition ist kostenlos. Die kommerziellen Pläne starten bei 600 Euro pro Monat (Rise), 2.400 Euro pro Monat (Evolve, inkl. B2B) und 6.500 Euro pro Monat (Beyond). Die Entwicklungskosten sind bei Standardprojekten oft geringer als bei vergleichbaren Magento-Setups.
Entscheidend ist der Blickwinkel: Bei sehr individuellen, komplexen B2B-Projekten relativiert sich der Kostenvorteil von Shopware schnell, weil fehlende Funktionen aufwändig nachgebaut werden müssen. Magento liefert diese Tiefe von Haus aus.
4. Skalierung und Performance
Magento ist für Enterprise-Szenarien mit Millionen von SKUs, globalen Multi-Store-Strukturen und sehr hohem Transaktionsvolumen konzipiert. Bei korrekter Serverkonfiguration – mit Elasticsearch, Redis, Varnish und CDN – ist Magento nahezu unbegrenzt skalierbar und gilt als eine der leistungsstärksten E-Commerce-Plattformen am Markt.
Wichtig: Das Standard-Frontend Luma gilt inzwischen als veraltet und sollte durch Hyvä Themes ersetzt werden, um optimale Google Core Web Vitals zu erzielen. Als spezialisierte Magento-Agentur setzen wir Hyvä bei neuen Projekten standardmäßig ein.
Shopware skaliert für wachsende mittelständische Unternehmen solide und bietet in den Cloud-Editionen automatisches Infrastruktur-Scaling. Für extreme Enterprise-Anforderungen ist Magento jedoch die langfristig robustere Wahl.
5. Erweiterungen und Ökosystem
Magento verfügt über eines der größten E-Commerce-Ökosysteme weltweit. Der Adobe Commerce Marketplace bietet tausende Erweiterungen für nahezu jeden Anwendungsfall – von ERP- und PIM-Anbindungen über B2B-Spezialfunktionen bis hin zu Zahlungs- und Versandlösungen. Die weltweite Entwicklercommunity ist groß, und erfahrene Magento-Agenturen wie Prodivo verfügen über tiefes Spezialwissen für individuelle Anforderungen.
Shopwares Erweiterungsmarkt ist kleiner, dafür kuratierter. Die Qualität der verfügbaren Plugins ist solide, die Auswahl jedoch geringer – insbesondere bei hochspezialisierten B2B-Modulen.
6. Fazit: Wann lohnt sich Magento für B2B?
Shopware 6 ist eine ausgezeichnete Plattform für den standardisierten B2B-Mittelstand mit überschaubaren Anforderungen und begrenztem Entwicklungsbudget. Wer jedoch folgende Anforderungen hat, ist mit Magento / Adobe Commerce besser beraten:
- Komplexe Firmenkonten-Hierarchien mit mehrstufigen Genehmigungsprozessen
- Sehr individuelle, granulare Preislogiken auf Kunden- und Produktebene
- Multi-Store-Setups mit mehreren Ländern, Sprachen und Währungen
- Tiefe Integration in ERP-Systeme (SAP, Microsoft Dynamics, etc.) oder PIM-Lösungen
- Große Produktkataloge mit mehreren Hunderttausend oder mehr SKUs
- Langfristige Skalierbarkeit für Enterprise-Wachstum
Als spezialisierte Magento-Agentur begleiten wir B2B-Unternehmen von der Strategieberatung über die technische Umsetzung bis hin zu langfristiger Wartung und Weiterentwicklung. Wir kennen beide Plattformen – und empfehlen Magento dort, wo es seinen Mehrwert wirklich ausspielt.
Sie planen ein B2B-E-Commerce-Projekt? Sprechen Sie uns an – wir analysieren Ihre Anforderungen und zeigen Ihnen, welche Lösung langfristig den größten Mehrwert liefert.